Über BiPRO und GDV reden viele Softwareanbieter gern unscharf, weil beide Namen wie ein Häkchen wirken: „Wir sind BiPRO-fähig” klingt nach Vollständigkeit. Tatsächlich sind es zwei unterschiedliche Standardwelten mit unterschiedlichem Zweck, und eine Anbindung ist kein Schalter, sondern ein Projekt — pro Gesellschaft. Dieser Text erklärt, was dahintersteckt, und sagt offen, wo aiyomo steht.
GDV: der ältere, dateibasierte Standard
Hinter dem Kürzel steht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Seit Mitte der 1980er Jahre entwickelt er Branchenstandards für den elektronischen Datenaustausch — gemeinsam mit Vermittlerverbänden und Softwarehäusern.
Der für Maklerbetriebe wichtigste ist der GDV-Datensatz „VU-Vermittler”: ein festgelegtes Format, mit dem Versicherungsunternehmen und Vermittler Bestands-, Vertrags- und Abrechnungsdaten austauschen. Die zugehörige Spezifikation ist ein technisches Dokument von rund 70 Seiten; sie beschreibt Satzarten und Feldstrukturen, nicht Bedienoberflächen.
Praktisch heißt das: GDV ist dateibasiert. Man bekommt einen Datenbestand geliefert und muss ihn einlesen, zuordnen und pflegen. Das ist robust und weit verbreitet — aber es ist kein Live-Zugriff.
BiPRO: Normen für Prozesse, nicht nur für Dateien
BiPRO ist das Brancheninstitut für Prozessoptimierung, ein eingetragener Verein mit Sitz in Meerbusch und über 300 Mitgliedsunternehmen. Es normiert nicht nur Datenformate, sondern Prozesse: Bestandsabruf, digitale Kundenprozesse, Sparten wie Komposit, Kfz, Leben und Kranken, dazu Initiativen im Umfeld offener Schnittstellen.
Die Normen erscheinen in Releases — Anfang Juni 2026 etwa die Minor-Releases 2.10.1, 2.9.5 und 2.8.12. Diese Versionierung ist der Punkt, den man in der Praxis unterschätzt: Es gibt nicht „die BiPRO-Schnittstelle”, sondern eine Norm in einer Version, die eine bestimmte Gesellschaft in einem bestimmten Umfang umgesetzt hat. Zwei Versicherer können dieselbe Norm unterschiedlich weit unterstützen.
Warum daraus Aufwand entsteht
Für einen Softwareanbieter bedeutet eine echte Anbindung deshalb: pro Gesellschaft Zugangsdaten und Freischaltung, Abstimmung des unterstützten Normumfangs, Testphase, Fehlerbehandlung bei abweichenden Feldbelegungen — und laufende Pflege, wenn Releases wechseln. Es ist Integrationsarbeit mit Dauerbetreuung, keine einmalige Programmierung.
Genau deshalb sagen wir bei aiyomo offen: Der GDV- beziehungsweise BiPRO-Datenabruf bei den Versicherern und die vollständige Courtageabrechnung bleiben typischerweise beim klassischen Maklerverwaltungsprogramm. Ein Direktimport über diese Formate ist bei uns nicht out-of-the-box verfügbar; eine Anbindung ist ausschließlich projektbezogen auf Anfrage umsetzbar.
Was das für den Umstieg bedeutet
Diese Ehrlichkeit hat eine praktische Konsequenz, und die ist gut: Sie müssen sich nicht entscheiden. Wer die Abrufstrecken über sein bestehendes System fährt, betreibt beides parallel — Bestände kommen über die Betreuer- beziehungsweise HV-Nummer herein, und die operative Arbeit läuft in aiyomo. Was der Standardweg leistet und wo Projektarbeit beginnt, steht unter Maklersoftware wechseln; welche Systeme heute live angebunden sind, unter Schnittstellen der Maklersoftware. Die Entscheidung zwischen den Systemwelten sortiert aiyomo oder klassisches MVP.
Und für eigene Landingpages oder Funnels braucht es ohnehin keinen Branchenstandard: Dafür gibt es die Lead-Schnittstelle mit Signaturprüfung und Idempotenz — beschrieben auf derselben Seite.
BiPRO und GDV auf einen Blick
- GDV = Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft; Standards für elektronischen Datenaustausch seit Mitte der 1980er Jahre
- GDV-Datensatz „VU-Vermittler” = festgelegtes Dateiformat für Bestands-, Vertrags- und Abrechnungsdaten zwischen Versicherer und Vermittler
- BiPRO = Brancheninstitut für Prozessoptimierung e. V., Meerbusch, über 300 Mitgliedsunternehmen; normiert Prozesse, nicht nur Formate
- BiPRO-Normen erscheinen versioniert — Umfang und Version bestimmen, was eine Gesellschaft tatsächlich unterstützt
- Eine Anbindung ist Integrationsarbeit pro Gesellschaft mit laufender Pflege, kein Schalter
- In aiyomo: GDV-/BiPRO-Abruf und vollständige Courtageabrechnung bleiben beim klassischen MVP; Anbindung nur projektbezogen
- Parallelbetrieb ist der Normalfall, nicht die Ausnahme: Abrufstrecken im MVP, operative Arbeit in aiyomo
Quellen
Am 29.07.2026 aufgerufen und inhaltlich geprüft:
- BiPRO e. V. — Brancheninstitut für Prozessoptimierung
- GDV-Datensatz „VU-Vermittler” — Broschüre (PDF, GDV-Online)
- GDV — Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
FAQ
Ist aiyomo BiPRO-fähig?
Nicht out-of-the-box, und wir formulieren das absichtlich so klar. Ein BiPRO- oder GDV-Datenabruf bei den Versicherern ist bei uns kein Standardfeature, sondern eine projektbezogene Anbindung auf Anfrage. Der übliche Weg ist, diese Strecken über das bestehende Maklerverwaltungsprogramm zu fahren und aiyomo für die operative Arbeit zu nutzen.
Was ist der Unterschied zwischen BiPRO und GDV?
GDV steht für dateibasierte Datensatz-Standards — man erhält einen Datenbestand in einem festgelegten Format. BiPRO normiert darüber hinaus Prozesse, etwa den Bestandsabruf, und tut das in versionierten Normen. Vereinfacht: GDV beschreibt, wie Daten aussehen; BiPRO beschreibt zusätzlich, wie sie geholt werden.
Warum ist eine BiPRO-Anbindung so aufwendig?
Weil sie pro Gesellschaft entsteht. Jede Gesellschaft schaltet Zugänge selbst frei und unterstützt eine bestimmte Norm in einer bestimmten Version und Tiefe. Dazu kommen Tests, Fehlerbehandlung bei abweichenden Feldbelegungen und Pflege bei Release-Wechseln. Der Aufwand liegt weniger im ersten Anschluss als im Dauerbetrieb.
Wie kommen unsere Bestandsdaten dann in aiyomo?
Über den CSV-Standardimport, der im Einrichtungspreis enthalten ist. Zuordnung erfolgt über die Betreuer- beziehungsweise HV-Nummer. Individuelles Feld-Mapping und Datenbereinigung sind Projektleistung — was inklusive ist, steht offen auf der Migrationsseite.