Ein Maklerverwaltungsprogramm (MVP) ist die zentrale Branchensoftware eines Versicherungsmaklerbetriebs, in der Kunden, Verträge, Schäden, Courtagen und die Kommunikation gebündelt verwaltet werden. Es bildet den Betriebsablauf eines §34d-Vermittlers von der Kundenanlage über den Vertragsbestand bis zur Provisionsabrechnung digital ab.
Welche Funktionen ein Maklerverwaltungsprogramm hat
Die Kernfunktionen sind bei fast allen Systemen dieselben — die Unterschiede liegen in Tiefe und Zuschnitt:
- Kundenverwaltung: Privat- und Firmenkunden mit Haushalt, Kontaktdaten, Einwilligungen und Betreuer.
- Vertragsbestand: Verträge je Sparte und Gesellschaft, mit Beitrag, Laufzeit, Status und Nachträgen.
- Schadenbearbeitung: Schadenmeldung, Kommunikation mit dem Versicherer, Stand der Regulierung.
- Courtage- und Provisionsabrechnung: Abrechnungen der Gesellschaften einlesen, zuordnen, Stornoreserve und offene Posten führen.
- Datenaustausch mit den Versicherern: Bestands- und Abrechnungsdaten über BiPRO und GDV — mehr dazu im nächsten Abschnitt.
- Dokumente und Kommunikation: Anträge, Policen, Schriftverkehr an der Akte; je nach System auch E-Mail und Wiedervorlagen.
- Auswertungen: Bestand nach Sparte und Gesellschaft, Courtageerwartung, Vertriebskennzahlen.
Wie Bestandsdaten ins MVP kommen: BiPRO, GDV und Pools
Drei Wege sollte man auseinanderhalten, weil sie im Vertrieb gern in einen Topf geworfen werden:
- BiPRO ist ein Normenwerk für Prozesse zwischen Versicherern und Vermittlern — etwa das automatische Abholen von Dokumenten und Bestandsdaten. Es gibt nicht „die” BiPRO-Schnittstelle, sondern eine Norm in einer Version, die jede Gesellschaft in ihrem eigenen Umfang umsetzt.
- Der GDV-Datensatz „VU-Vermittler” ist ein festes Dateiformat für Bestands-, Vertrags- und Abrechnungsdaten. Ein MVP liest diese Dateien ein; woher sie kommen — direkt vom Versicherer, aus einem Pool-Portal oder aus einem Altsystem —, ist eine zweite Frage.
- Maklerpools bündeln Gesellschaften und stellen ihren Partnern Bestandsdaten gesammelt bereit, oft als Datei im Pool-Portal. Viele Pools bieten ihren Partnern zusätzlich ein eigenes Verwaltungsprogramm an.
Wer ein MVP auswählt, sollte also nicht fragen „kann es BiPRO?”, sondern: Welche Gesellschaften und welche Prozesse, per Abruf oder per Datei, und wie gehen Änderungen an bestehenden Verträgen ein? Den Hintergrund erklärt der Beitrag BiPRO und GDV.
Worauf klassische MVP-Systeme ausgelegt sind
Der Schwerpunkt liegt traditionell auf Bestands- und Courtageverwaltung sowie auf dem standardisierten Datenaustausch mit den Versicherern. Das ist die Stärke dieser Systeme: Sie holen Bestandsdaten, Provisionsabrechnungen und Vertragsänderungen automatisiert von den Gesellschaften ab.
Was sie historisch weniger abdecken, ist die operative Arbeit drumherum. In der Praxis arbeiten viele Maklerbetriebe deshalb mit mehreren Insellösungen parallel: ein MVP für den Bestand, ein Postfach für E-Mail, ein privates Messenger-Konto für WhatsApp, eine Telefonanlage ohne Verbindung zur Akte, Excel für die Vertriebsplanung und ein Netzlaufwerk für Dokumente. Jedes System hat seinen eigenen Datenstand, und jeder Wechsel kostet Zeit und erzeugt Übertragungsfehler.
Maklerverwaltungsprogramme im Überblick
Am Markt lassen sich grob drei Familien unterscheiden:
- Etablierte Verwaltungsprogramme mit jahrzehntelanger Integrationsarbeit beim Datenaustausch — etwa ams6 von assfinet oder Smart Admin von Smart InsurTech.
- Pool-eigene Systeme, die ein Maklerpool seinen Partnern bereitstellt — etwa AMEISE von blau direkt.
- Operative Plattformen, die das Tagesgeschäft in den Mittelpunkt stellen — Kommunikation, Vorgänge, Termine, Vertriebssteuerung — und den Bestand einlesen, statt ihn bei jeder Gesellschaft abzurufen. Dazu gehört aiyomo.
Die Einordnung ist keine Rangliste: Wer einen breiten Komposit-Bestand mit vielen Gesellschaften und eigener Courtageabrechnung führt, braucht die Abrufstrecken der ersten beiden Familien. Wer vor allem berät — Vorsorge, bAV, Finanzanlagen —, verliert seine Zeit eher in der Kommunikation als im Datenaustausch. Den Vergleich Aufgabe für Aufgabe, mit Quellen zu den genannten Anbietern, finden Sie unter aiyomo oder klassisches MVP.
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
- Datenaustausch: Welche Gesellschaften liefern per Abruf, welche nur als Datei? Wie werden Nachträge verbucht — mit Historie oder durch Überschreiben?
- Courtage: Brauchen Sie eine vollständige Abrechnung mit Stornoreserve im System, oder reicht der Abgleich mit der Abrechnung des Pools?
- Kommunikation: Laufen E-Mail, Messenger und Telefon an der Akte zusammen, oder bleibt das ein zweites System?
- Arbeitsabläufe: Entstehen aus Anlässen nachverfolgbare Vorgänge mit Fristen, oder nur einzelne Aufgaben?
- Datenschutz: Auftragsverarbeitungsvertrag, Hosting-Ort, getrennte Mandanten — und bei KI-Funktionen: Was geht im Klartext an welches Modell?
- Exit: Bekommen Sie Ihre Daten vollständig und in einem lesbaren Format zurück, wenn Sie wechseln?
Wo aiyomo steht — und wo nicht
aiyomo verfolgt den umgekehrten Ansatz der klassischen Systeme: Die operative Arbeit läuft auf einem Datenstamm — Kundenakte, Kommunikation über alle Kanäle, Vorgänge und Prozesse, Telefonie, Vertriebssteuerung in Bewertungseinheiten, bAV mit Arbeitgeberportal, Aufgaben und Dokumente. Für viele Betriebe wird aiyomo damit das führende System des Tagesgeschäfts.
Den Bestand liest aiyomo ein: GDV-Dateien mit Vorschau je Vertrag, Bestandsdateien der Pools Fonds Finanz und blau direkt samt Provisionsabrechnung, Verträge aus Excel oder CSV; Änderungen laufen als Nachtrag mit Historie. Zwei Strecken benennen wir offen als typische Aufgabe des klassischen Verwaltungsprogramms: der automatische Datenabruf bei den Versicherern über BiPRO und die vollständige Courtageabrechnung. Wer diese Wege weiter über sein bestehendes System fahren will, betreibt beides parallel — Bestände kommen dann über die Betreuer- beziehungsweise HV-Nummer herein. Was der Umstieg praktisch bedeutet, steht unter Maklersoftware wechseln.
Verwandte Begriffe
§ 34d-Vermittler · Courtage und Courtage-Split · Bestandsübertragung · Betreuer- und HV-Nummer · Kundenverwaltung für Versicherungsmakler · alle Begriffe im Glossar
FAQ
Ist aiyomo ein Maklerverwaltungsprogramm?
Für die tägliche Arbeit ja — aiyomo deckt Kunden, Vorgänge, Verträge, Dokumente, Kommunikation, Aufgaben, Vertriebsplanung und bAV auf einem Datenstamm ab und liest GDV- und Pool-Dateien ein. Zwei Strecken bleiben typischerweise beim klassischen MVP: der automatische Datenabruf bei den Versicherern über BiPRO und die vollständige Courtageabrechnung. Wer die dort behalten will, fährt beide Systeme parallel.
Was unterscheidet ein MVP von einem allgemeinen CRM?
Ein allgemeines CRM kennt Kontakte, Aufgaben und eine Euro-Pipeline. Ein MVP kennt die Begriffe der Branche: Vertragsbestand mit Sparten, Schadenvorgänge, Courtagearten, Bestandsübertragungen, Vermittlernummern und die Datenformate der Versicherer. Diese Fachtiefe lässt sich in einem generischen CRM nur behelfsmäßig nachbauen.
Welche Maklerverwaltungsprogramme gibt es?
Grob drei Familien: etablierte Verwaltungsprogramme mit tiefem Datenaustausch (etwa ams6 von assfinet, Smart Admin von Smart InsurTech), Systeme, die ein Maklerpool seinen Partnern bereitstellt (etwa AMEISE von blau direkt), und operative Plattformen wie aiyomo, die das Tagesgeschäft in den Mittelpunkt stellen und den Bestand einlesen. Welche Familie passt, hängt davon ab, ob Ihr Geschäft an Abrufstrecken und Courtageabrechnung hängt oder an Beratung und Kommunikation.
Brauche ich ein eigenes MVP, wenn ich über einen Maklerpool arbeite?
Nicht zwingend. Viele Pools stellen Bestandsdaten gesammelt bereit, und manche bieten ein eigenes Verwaltungsprogramm an. Entscheidend ist, ob Sie Ihre Bestände aus dem Pool in das System bekommen, in dem Sie täglich arbeiten — bei aiyomo per Bestandsdatei von Fonds Finanz oder blau direkt, mit Vorschau und Nachtrag statt Überschreiben.